Pressemitteilung: Wo sind die 5000 neuen Wohnheimsplätze?

Das Wintersemester hat begonnen und mit diesem haben sich alle Befürchtungen bestätigt: Die Wartelisten bei den Studierendenwohnheimen sind voll, die WG-Castings überfüllt und bezahlbarer Wohnraum in Hochschulnähe unmöglich zu finden. Die vom Senat versprochenen 5.000 Wohnheimplätze werden nicht realisiert. Wenn es gut geht werden es 500. Doch dass Studierende diese Situation nicht einfach so hinnehmen, sollen die Aktionstage, die vom 6. – 8. November stattfinden, zeigen. Sie sind Teil der Proteste, die sich in Berlin verstärkt gegen unsoziale Wohnraumpolitik gebildet haben.

Dazu meint Hannah Eberle aktiv im Bündnis „Studis gegen hohe Mieten“: „Die 5.000 neue Wohnheimplätze wären aus unserer Sicht nur ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen. Die Wohnraumsituation ist für Studierende genau wie für andere Mieter_innen oder Neuankommende in Berlin katastrophal. Darum rufen wir am Donnerstag, den 7. November 2013 um 15.00 Uhr am Breitscheidplatz zu einer Demonstration für den Ausbau von öffentlichem Wohnraum und einem Berlin, welches auch lebenswert für all diejenigen bleibt, die sich die steigenden Mietpreise nicht leisten können, auf.“

Auch sind zusätzliche Wohnheimplätze für Studierende allein prinzipiell kein wirksames Mittel, um die völlig außer Kontrolle geratene Situation auf dem Berliner Wohnungsmarkt nachhaltig zu verbessern. Ohne strukturelle Konsequenzen für den Wohnungsmarkt wird der Kampf gegen steigende Mieten und für sicheren, bezahlbaren Wohnraum kaum zu gewinnen sein. Insbesondere sozial benachteiligte Menschen werden so noch vor einem möglichen Studium maßgeblich durch die Mietsituation und die damit einhergehenden finanziellen Belastungen vom Studium abgeschreckt und damit ausgeschlossen.

Hierzu ergänzt Max Manzey, ebenfalls aktiv im Bündnis „Studis gegen hohe Mieten“: „Viele Studierende haben nach wie vor keine dauerhafte Wohnung gefunden und leben bei Freunden auf der Couch oder zur Zwischenmiete. Darum wird es am 08. November um 15 Uhr eine symbolische Sleep-In Aktion von Studierenden vor dem Roten Rathaus geben.“

Das Bündnis Studis gegen hohe Mieten, in welchem sich einzelne Studierende, verfasste Studierendenschaften, Fachschaftsinitiativen, sowie Mitglieder von die Linke SDS und der Grüne Hochschulsgruppen engagieren, sieht sich als Teil der Auseinandersetzungen um steigende Mieten. Hierzu ergänzt Christian Korff ebenfalls vom Bündnis „Studis gegen hohe Mieten“: „Wir wollen gemeinsam mit Mieterinitiativen, Freiraumaktiven und anderen Bündnissen gegen die verfehlte Stadtpolitik in Berlin Politik machen. Denn der Senat hat in den vergangenen Jahren gezeigt, dass die Probleme von Mieter_innen ihn nicht zu interessieren scheinen.“

Demo: „Studis für ein Recht auf Stadt“

Die Demo geht am 7. November 2013 um 15 Uhr am Breitscheidplatz los.

Route: Breitscheidplatz (Auftakt) – Hardenbergstraße – Goethestraße – Schlüterstraße – Kurfürstendamm – Wielandstraße – Lietzenburger Straße – Schlüterstraße – Senatsverwaltung für Bildung (Abschluss)

Da auch wir uns in Charlottenburg-Wilmersdorf leicht verlaufen, hier noch eine Karte dazu:
route

Pressekonferenz am 4.11. um 12:00 Uhr

hiermit laden wir Sie herzlich zur Pressekonferenz „Aktionstage: Studis gegen hohe Mieten“ ein.

Auf dem Podium informieren:
Frau Mai-Hartung (Geschäftsführerin Studentenwerk Berlin)
Katharina Mahrt (freier Zusammenschluss der StudentInnenschaften)
Das Bündnis „Studis gegen hohe Mieten“(http://studisgegenhohemieten.blogsport.de)

über fehlenden bezahlbaren Wohnraum. Außerdem werden die Aktionstage, welche vom 6.-8. November in Berlin stattfinden, vorgestellt und über weitere bundesweite Kampagnen informiert.

Die Pressekonferenz findet am 4. November zwischen 12:00 Uhr und 12:30 Uhr im Protestmittelpunkt von Berlin Kreuzberg bei der Mieterinitiative Kotti und Co statt. (www.kottiundco.net – direkt an der U-Bahn Station Kottbusser Tor)

Das Bündnis demonstriert im Rahmen der Aktionstage gemeinsam mit Kieziniativen und weiteren Bündnissen für bezahlbaren Wohnraum, Erhaltung von Freiräumen und ein Recht auf Stadt.

Für Rückfragen im Vorfeld erreichen Sie das Bündniss unter 017639733239
oder per Mail: studisgegenhohemieten@asta.tu-berlin.de

Sollten Sie an der Pressekonferenz nicht teilnehmen können, schicken wir Ihnen gerne Informationen über die Aktionstage zu.

Bündnistreffen – Endspurt am 30.10.

Das letzte Bündnistreffen von Studis gegen hohe Mieten vor der Aktionswoche steht an. Bringt euch noch ein! Gemeinsam tragen wir den Kampf um ein Recht auf Stadt auch an die Hochschulen und zurück in die Stadt.

Das Treffen ist offen für alle Betroffenen des Berliner Wohnraum-Desasters.

WANN? Mittwoch, 30.Oktober; 18 Uhr
WO? Dorotheenstr. 24 (HU), Raum 1.505 (5. Stock)

Studie belegt schwierige Wohnsituation von Studienanfängern

Wir dokumentieren hier eine Pressemitteilung des Deutschen Studentenwerks vom 25.10.2013.

  • DZHW-Online-Befragung von mehr als 12.000 Studierenden im Auftrag des Deutschen Studentenwerks (DSW)
  • Schwierige bis sehr schwierige Wohnungssuche für zwei Drittel der deutschen Studienanfängerinnen und -anfänger
  • Probleme bei ausländischen Studienanfängern noch größer
  • DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde fordert „konkrete, rasche Verabredungen“ von CDU/CSU und SPD in den Koalitionsverhandlungen
  • DSW: 50.000 Studierende bei den Studentenwerken aktuell auf Wartelisten für einen Wohnheimplatz

Berlin, 25. Oktober 2013. Fast zwei Drittel der deutschen Studienanfängerinnen und -anfänger bewerten die Wohnungssuche zum Beginn ihres Studiums als schwierig oder sehr schwierig. Ein Viertel von ihnen musste die erste Unterkunft auswählen, weil sie nichts anderes finden konnten, keine Zeit zur weiteren Suche hatten oder sie von vorneherein als vorübergehende Notlösung ansahen.

Das geht aus einer neuen Online-Befragung von mehr als 12.000 Studierenden hervor, die das Deutsche Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW, vormals HIS) im Auftrag des Deutschen Studentenwerks im Juli und August 2013 durchgeführt hat. Die Studierenden wurden gefragt, wie ihre Wohnungssuche zum Studienbeginn verlaufen war.

Für das Deutsche Studentenwerk (DSW) als Verband der 58 Studentenwerke untermauern die Ergebnisse die DSW-Forderung nach einem gemeinsamen Bund-Länder-Programm für 25.000 zusätzliche, staatlich geförderte Wohnheimplätze.

DSW-Generalsekretär erklärt: „Die CDU/CSU und die SPD haben den dringenden Bedarf in ihren Wahlprogrammen oder Bundestagsinitiativen der vergangenen Legislaturperiode ausdrücklich anerkannt. Jetzt müssen die Koalitionäre rasch konkrete Vereinbarungen für eine Beteiligung des Bundes treffen, notfalls auch über die Erweiterung seiner Zuständigkeiten.“

Meyer auf der Heyde kommentiert die Ergebnisse der Studie so: „Es kann nicht sein, dass Studienanfänger in Deutschland erst wochenlang mühsam eine Bleibe suchen und dann mit Notlösungen Vorlieb nehmen müssen, die die Konkurrenz auf den städtischen Wohnungsmärkten zwischen Studierenden und anderen Bevölkerungs­gruppen mit geringerem Einkommen noch zusätzlich verschärfen. Das ist bildungs- und sozialpolitisch falsch, und dagegen hilft nur staatlich geförderter Studentenwohnheimbau.“

Für ausländische Studierende sei die Situation zu Studienbeginn noch schwieriger als für deutsche, ergänzt Meyer auf der Heyde. So liege die Nachfrage ausländischer Studierender nach Wohnheimplätzen drei- bis viermal höher als die Nachfrage der deutschen Studierenden.

„Jedes Jahr beginnen neben 400.000 deutschen auch rund 95.000 ausländische Studierende ein Studium an einer deutschen Hochschule. Die ausländischen Studierenden haben geringere Einnahmen als die deutschen, und sie haben es auf den Wohnungsmärkten noch schwerer“, so Meyer auf der Heyde. „Das Wohnheim ist die bevorzugte Wohnform ausländischer Studierender, auch sie benötigen dringend zusätzliche Wohnheimplätze.“

Den hohen Bedarf belegen auch andere Zahlen: Zum Start des Wintersemesters 2013/2014 stehen nach aktuellen Recherchen des DSW bundesweit bei den Studentenwerken derzeit mehr als 50.000 Studierende auf Wartelisten für einen Wohnheimplatz. An den meisten Hochschulstandorten seien sowohl die Wohnheime der Studentenwerke voll belegt, und auf den örtlichen Wohnungsmärkten hätten Studierende schlechte Chancen.

Hintergrund: HISBUS-Studierendenpanel
Das HISBUS-Online-Panel des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (früher: Hochschul-Informations-System HIS), das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert wird, ist ein studentisches Online-Panel mit derzeit rund 30.000 Mitgliedern, die mehrmals im Jahr befragt werden. An dieser Befragung haben im Juli und August 2013 mehr als 12.000 Studierende teilgenommen; das entspricht einer Rücklaufquote von 42%. Die Ergebnisse sind für deutsche Studierende repräsentativ. www.hisbus.de

Die Studie „Wohnraumsuche und Wohnen zu Studienbeginn“ von Janka Willige und Sören Isleib zum Download (23 Seiten, 0,5 MB) zum Download:
http://www.studentenwerke.de/pdf/HISBUS-Wohnraumsuche-Studienbeginn-2013.pdf